Unsplash - die wohl spannendste Marketingplattform der Zukunft

Am 23. Dezember 2017 lud ich mein erstes Foto auf der kanadischen Fotoplattform Unsplash.com hoch. Das Bild der mondlandschaft-artigen Umgebung von Boa Vista hat bis heute 361.000 Impressions erreicht - ein für mich durchschnittlicher Wert auf der Plattform. Zur Einordnung - auf Instagram wäre diese Reichweite bombastisch und ich könnte hauptberuflich von meinem Reach als Influencer leben.

 

Dieser Beitrag richtet sich weniger an Content Creator, sondern vorrangig an Werber und Marketeers. Ich fasse meine Erfahrungen aus einem Jahr aktiver Unsplash-Nutzung zusammen, ein Jahr in dem ich mit meinen Bildern über 20 Millionen Impressions erzielt habe, ein Jahr in dem Google die erste Native Advertising-Kampagne für seine Chromebooks auf Unsplash durchführte, ein Jahr in dem Unsplash bei den Google-Suchanfragen Getty Images und iStock überholt hat.

 

Was ist Unsplash.com?

Als Gegenstück zu klassischen Stock-Photography-Seiten ging Unsplash am 27. Mai 2013 als einfache Tumblr-Seite an den Start. Ziel der Gründer war es, der ganzen Welt hochwertige Bilder kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Unsplash-Lizenz entspricht der CC-0-Lizenz (Creative Commons Zero). Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Unsplash-Lizenz nicht das Recht beinhaltet, Fotos von Unsplash auf einem ähnlichen oder konkurrierenden Dienst zu replizieren.

 

Unsplash hat sich zu einer branchenführenden Foto-Community mit hunderttausenden qualitativ hochwertigen Bildern entwickelt. Durch die hohe Qualität der bereitgestellten Bilder auf Unsplash gibt es u.a. Kooperationen mit Apple, auf deren Geräten Bilder von Unsplash als Wallpaper verfügbar sind.

 

Bilder von Unsplash können kostenlos, zur freien - auch werblichen - Nutzung, heruntergeladen und genutzt werden. Die Fotografen müssen nicht als Quelle genannt werden, eine Verlinkung oder Nennung ist jedoch erwünscht. Mehr und mehr Blogs, Websites und Social Media Accounts nutzen Bilder von Unsplash. Somit entwickelt sich das kanadische Unternehmen immer stärker zur Konkurrenz klassischer Bilddatenbanken. Aufsehen erregte Unsplash, als am 10. April 2016 das Foto der SpaceX-Raketen-Landung auf der Plattform zur freien Verfügung bereitgestellt wurde.

 

Die Unsplash-Startseite besteht aus einem prominenten Suchschlitz, sowie einer Hauptnavigation, die durch den Editorial Feed angeführt wird. Für Nutzer mit einem Unsplash-Profil folgt der Following-Feed, gefolgt - und für alle Nutzer sichtbar - von den populärsten Foto-Rubriken wie Wallpaper, Textures & Patterns oder Business & Work.

 

Für alle Fotos auf Unsplash sind die Reichweiten einsehbar, dazu muss man nicht registriert oder eingeloggt sein. Klickt man auf ein Bild, erscheint in der unteren rechten Ecke ein Info-Button, über den Views, Downloads und Likes abgerufen werden können.

Huge news. You made it to the New feed! - Fotografen auf Unsplash

Was macht für Fotografen den Reiz an Unsplash aus? Nach einem Jahr persönlicher Nutzung der Plattform ist es ganz klar die Reichweite, mit der man geködert wird. Es sind nicht die untergeordneten Likes auf den Bildern, auch vernetzt man sich hier kaum mit anderen Künstlern. Es sind die Email-Benachrichtigungen wie “Huge news. You made it to the New feed!”, auf die man gespannt wartet und die einem Bild hohe Reichweiten garantieren. Geld gibt es nicht. Dies wird beim Upload sehr schnell klar. Alles ist freiwillig, auch, dass man seine Nutzungsrechte an den eigenen Bildern abgibt. Ich finde den Ansatz von Unsplash zeitgemäß und habe daher aktuell 62 Bilder auf der Plattform bereitgestellt. Meine Fotos wurden über 105.000 mal heruntergeladen und erreichen bisher 20,5 Millionen Views. Als nicht professioneller Fotograf freue ich mich, wenn ausgewählte Fotos weiter genutzt werden und nicht auf meinem Samsung verkümmern.

 

Sponsored by - Unternehmen auf Unsplash

Ende 2017 gab es für Marken lediglich die Option eigene Fotos über ein persönliches Profil hochzuladen. Aktuell bietet Unsplash vier offizielle Werbeformate an: “Say Thanks” Sponsorship, Homepage Takeover, Email Newsletter und Sponsored Photography. Sponsored Photography-Kampagnen wurden Ende 2018 u.a. mit Maldives Tourism durchgeführt. So wurden bspw. bei der Suchanfrage nach “Beach” ältere, jedoch sehr populäre, Malediven-Bilder von Unsplash-Nutzern mit dem Zusatz “Sponsored by Maldives Tourism” in den obersten Ergebnissen ausgespielt. Ganz aktuell spielt Unsplash an erster Stelle des Editorial-Feeds jeweils ein gesponsertes Foto von Dose Juice, eines kanadischen Getränkeherstellers, aus, welches auf dem Account der Marke hochgeladen wurde.

 

Im März 2018 wurde die erste großangelegte Kooperation mit einer Marke, zusammen mit Content Creators, durchgeführt. Fünf Fotografen, die sich auf Unsplash bereits ein Renommee durch ihre Bildqualität und “Upload”-Kontinuität aufgebaut hatten, stellten auf ihren Profilen selbst produzierte Produktfotos von Googles Chromebooks bereit. Diese Fotos, markiert mit “Sponsored by Google Chromebooks”, wurden in den Suchergebnissen, sowie im Start-Feed von Unsplash.com an oberster Stelle ausgespielt und garantierten dem Kunden somit maximale Aufmerksamkeit. Die 34 entstandenen Fotos der Native Advertising-Kampagne haben bis heute 80 Millionen Impressions und 359.000 Downloads auf Unsplash erzielt (Stand: 13.01.2019).


Darum ist Unsplash aus meiner Sicht eine der spannendsten Marketingplattformen der Zukunft.


Unsplash als Katalysator und Influencer für nachhaltiges Earned Media

Bilder, hochwertige Bilder, werden in nahezu allen Bereichen benötigt und verwendet. Ob es die private Website ist, ein Plakat oder eine interne Powerpoint-Präsentation. Gute Bilder sind Gold wert und können schnell eine noch so graue Präsentation aufhübschen. Fotos von schnellen Autos, Menschen beim Co-Working oder tolle Wallpaper sind Evergreens. Das Potential von Marken besteht nun darin, die eigenen Bilder - im Idealfall mit eigenen Produkten - über Unsplash zu verbreiten. Hier geht es ganz klar um Branding und Reichweite. Über den eigenen Account kann man Fotos zur Verfügung stellen, aber der bessere Weg ist, der über Content Creator, die die selbst produzierten Bilder über ihre Accounts verbreiten. Sobald die Bilder auf Unsplash hochgeladen wurden, sind sie über die Suche auffindbar. Die Halbwertszeit ist auf Unsplash quasi unendlich, da die Fotos bei der passenden Suchranfrage immer wieder aufs Neue angezeigt werden.

 

Das Beispiel des Ferrero Rocher Bildes von Eiliv-Sonas Aceron verdeutlicht sehr gut, wie das für das Unternehmen Ferrero aussehen kann. Das Foto wurde sehr ansprechend aufgenommen und hat 270.000 Impressions und 768 Downloads erzielt. Ein guter Wert.

 

Mit ein wenig Kreativität können es Bilder sogar auf den kuratierten Editorial Feed schaffen. Damit ist eine deutlich höhere Impression-Anzahl garantiert. Ein Bild meiner roten Adidas-NMD-Wintersneaker auf einem roten Teppich hat 2,3 Millionen Views und über 22.000 Downloads erreicht. Von dieser Reichweite kann ich mir nichts kaufen, es fühlt sich aber trotzdem gut an. Netter Nebeneffekt: Eine sehr bekannte Werbeagentur hat mich angeschrieben, da sie das Bild für einen ihrer Kunden nutzen wollte. Als Honorar haben sie mir 200 Euro angeboten. Natürlich habe ich eingewilligt, dann laut Lizenzvereinbarung hätten sie mich für die Nutzung nicht einmal fragen brauchen.

Unsplash auf der Überholspur

Ein Blick auf Google Trends zeigt ein spannendes Bild. Es ist nicht verwunderlich, dass die Suchanfragen nach “Unsplash” stetig steigen. In der Abbildung sieht man den Verlauf von Januar 2013, in dem Jahr, in dem Unsplash startete, bis heute in Deutschland. International sieht das Bild gleich aus.

Interessanter ist der Vergleich von Unsplash (blau) mit den klassischen Bilddatenbanken Fotolia (rot), Adobe Stock (gelb), iStock (grün) und Getty Images (lila). Fotolia schwächelt bei den Suchanfragen in Deutschland, was natürlich auch mit der Übernahme und Integration von Adobe bzw. in Adobe Stock zu erklären ist. Die aus meiner Sicht spannendsten Erkenntnisse sind, dass Unsplash im Oktober 2018 bei den Suchanfragen Getty Images überholt hat und im Dezember 2018 erstmals mehr Suchanfragen auf sich vereinen konnte als iStock. Alexa.com zeigt die gleiche Tendenz. Die Website Unsplash.com nimmt einen global Rang von 606 ein, mit einer Verbesserung von 123 Rängen zum vorigen Zeitraum. Laut Similarweb.com verzeichnet Unsplash.com im Dezember 2018 37 Millionen Besucher.

Mein Fazit

Unsplash.com ist aus meiner Sicht etwas für smarte Marketer, die in Unsplash mehr als nur eine Bilddatenbank sehen, sondern das Konstrukt als nachhaltige Marketingplattform für ihre Marke und ihre Produkte verstehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unsplash.com noch ganz am Anfang steht und sehr viel Potential für Brands bieten wird. Vielleicht entwickelt es sich sogar in Richtung Pinterest und bietet in Zukunft die Möglichkeit, über Bilder auf externe Websites zu verlinken. Who knows.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0